KyivPride: Es ist Zeit, der Welt unsere Geschichte zu erzählen

kyivpride

 

2014/10/28 • Deutsch

Artikel von Olena Semenowa, Organisationskomitee KyivPride

Wir begannen mit der KyivPride, der ersten in der ukrainischen Geschichte, erst vor zwei Jahren, aber es scheint, als ob wir schon seit einem Jahrzehnt für die politische Gay-Pride-Bewegung in der Ukraine gekämpft haben.

Wir waren eine kleine Gruppe von Aktivisten und starteten die KyivPride im Jahr 2012 als Reaktion auf die Bemühungen der pro-russischen Abgeordneten im ukrainischen Parlament, eine ganze Reihe von Gesetzen über sogenannte “homosexuelle Propaganda” einzubringen. Diese Gesetzentwürfe waren analoge Kopien der im russischen Parlament verabschiedeten Gesetze und sahen Strafen von mehreren Jahren Gefängnis oder Geldstrafen von über 1.000 US-Dollar nur für die Erwähnung von Homosexualität in der Öffentlichkeit oder in den Medien vor. Wir wollten auf den Straßen von Kyiw marschieren und unsere politische Meinung dazu äußern. LGBT-Menschen sind auch Menschen und Bürger. Wir zahlen unsere Steuern und befolgen die Gesetze, also warum sollten wir auf unser Recht verzichten, die gleichen Rechte wie alle Ukrainer zu haben?

Aber in dem Jahr [2012] hatten wir keine Chance. Die “Demonstration für die Gleichheit” (March for Equality) wurde von radikalen Schlägern angegriffen, die Polizei hatte offen gesagt, dass sie nicht eingreifen werde, um die Gewalt zu verhindern, und der Demonstrationszug erreichte nicht einmal den vorgesehenen Kundgebungsort. Mehrere Aktivisten wurden so heftig zusammengeschlagen, dass sie im Krankenhaus behandelt werden mussten.

Im Jahr 2013 erhielten wir massive politische Unterstützung aus Europa, Kanada und den USA. Die Behörden sahen sich gezwungen, unser Recht auf friedliche Versammlung zu unterstützen, und die “Demonstration für die Gleichheit” konnte erfolgreich in Kyiw stattfinden. Wichtige Gäste aus der Europäischen Union nahmen teil, darunter der Oberbürgermeister von München [Partnerstadt Kyiws], Vertreter aus vielen Botschaften und europäischen Institutionen in der Ukraine sowie Menschenrechtsverteidiger. Die Kyiwer Stadtbehörden waren nicht begeistert von der Idee einer derartigen Veranstaltung, gaben sich aber alle Mühe, die Teilnehmer zu schützen. Von 2.000 Polizisten in Kampfausrüstung umgeben marschierten nur 100 tapfere Teilnehmer 500 Meter für die gleichen Rechte aller Menschen in der Ukraine. Außerhalb der Polizeireihe tobten Tausende von Gegnern vor Wut und blockierten die Straße aus Protest gegen die “homosexuelle Pest”.

Schließlich, in diesem Jahr, nach dem Maidan und nach der Revolution, waren wir uns sehr sicher, dass wir eine erfolgreiche Gay Pride haben werden. Die Gesetze über “homosexuelle Propaganda” sind mit Janukowytsch in der Versenkung verschwunden, aber es gibt immer noch keinen gesetzlichen Schutz für uns gegen Diskriminierung aufgrund der sexuellen Orientierung oder Geschlechtsidentität. LGBT-Menschen werden noch immer geschlagen und schikaniert; Diskriminierung am Arbeitsplatz ist weit verbreitet; wir haben keine Familienrechte.

Und der Bürgermeister von Kyiw, Witali Klitschko sagte uns sehr deutlich, “dass es nicht an der Zeit ist, mit einer Homosexuellen-Parade auf den Straßen der Stadt Kyiw zu feiern”. Dies zeigt, dass die Frage der Menschenrechte für LGBT-Menschen in der Ukraine immer noch völlig missverstanden wird. Wir feiern nicht; wir haben noch nichts zu feiern. Wir wollen politisch sichtbar zu sein. Wir wollen gehört werden.

Deshalb muss unsere Geschichte erzählt werden. Und jetzt haben wir eine Chance, einen echten Dokumentarfilm über unsere Pride zu erstellen.

Im Jahr 2014 wurde eine Gruppe von KyivPride-Gründern von der Stadt Toronto eingeladen, an dem World Gay Pride March teilzunehmen. Das erste Auftreten einer ukrainischen Delegation bei einer Gay Pride in Kanada inspirierte die kanadische Dokumentarfilmerib, Fotografin und Trans-Aktivistin Michelle Emson, den Film “The Pride of Ukraine – Inspire a World of Change” zu machen. Bei der Dokumentation der Veranstaltungen derWorld-Pride-Woche in Toronto war sie von den historischen Parallelen zwischen den beiden Städten beeindruckt. Vor fast 30 Jahren begann die Pride in Toronto mit einer Demonstration von knapp 100 Personen, während vor nur 2 Jahren die erste KyiwPride mit einem heftigen homophoben Angriff begann.

Nach dem 2. World Pride schlug Michelle Emson den KyiwPride-Aktivisten die Idee einer Dokumentation vor, die der Welt die Geschichte der KyivPride und über unsere Bemühungen berichten soll, die ukrainische Regierung dazu zu bewegen, auf die LGBT-Gemeinschaft zu hören. Zusammen mit ukrainischen Aktivisten gründete sie die “KyivPride Canada”-Gruppe, und wir begannen mit dem Dokumentarfilm “Pride of Ukraine”.

Dieser Film wird die Geschichte der ersten ukrainischen Gay Prides von 2012 bis 2015 darlegen. Er wird über das Engagement und die Unterstützung erzählen, die Kyiwer LGBT-Aktivisten von europäischen und kanadischen Gemeinschaften bekamen . Er wird den Mut der  ukrainischen Aktivisten zeigen. Derzeit haben wir, KyivPride Canada, über 30 Stunden Filmmaterial aufgenommen und gesammelt für “Pride of Ukraine”. Wir planen, den Film zuerst in der Ukraine zu präsentieren, denn unser Land muss darüber wissen. Wir werden Gemeinschaften und Politiker in Kanada und Europa ansprechen, um mehr Aufmerksamkeit für unseren Kampf zu erreichen. Heute, wenn unser Land in einen kriegerischen Konflikt verwickelt ist, ist die Homosexualität in der Ukraine in Gefahr. Die Separatisten haben in den Regionen, die sie kontrollieren, Homosexualität bereits als außerhalb des Rechts stehend erklärt. Die ukrainische Regierung wiederum ist nicht bereit, die Vollversion des Abkommens mit der EU zu unterzeichnen, zu denen die Antidiskriminierungsklauseln für LGBT-Menschen gehören. Unser Kampf geht weiter, denn wir sind auch Ukrainer, und wir verdienen es, die gleichen Rechte wie alle Bürger unseres Staates zu haben.

Wir planen die Uraufführung des Dokumentarfilms “Pride of Ukraine” für März 2015, und die Postproduktion hat bereits begonnen. Dafür brauchen wir die Beteiligung der Menschen. Wir empfehlen Ihnen, unsere Crowdfunding-Kampagne hier zu unterstützen und Informationen über sie zu verbreiten.

Lasst uns gemeinsam die Geschichte verändern. Bitte leisten Sie Ihren Beitrag bei der Verteidigung der Menschenrechte für die ukrainischen LGBT. KyivPride Canada ist im Internet,  auf Facebook und auf Twitter.

Quelle: Euromaidan Press
Übersetzung: Euromaidan Press auf Deutsch

 

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  • Georg Friedrich

    selbsternannte Propagandistinnen_en der Kultur des Todes auf den Strassen einer Stadt, wo vor einigen monaten hunderte von Menschen für besseres Leben ihrer Familien das Leben geopfert haben.

    kann die erinnerung an sie auf noch geschmacklosere Weise beleidigt werden?

    • Adam Ahmad

      lass dein Hass stecken Religiöser Fanatiker

      • Georg Friedrich

        es entsteht immer gewisse Tragikomik, wenn ein Sodomit wörter wie “lassen” und “stecken” im gleichen satz verwendet.
        noch nicht genug beim “Einsteckenlassen” sich mit HIV und anderen zusätzlichen Krankheiten infiziert?

  • Georg Friedrich

    lass dir selber einstecken, widerlicher Sodomit. nur schnell. sich mit HIV und anderen zusätzlichen Krankheiten zu infizieren ist für einen Sodomiten doch nie zu früh.