Mütter, wofür sterben Eure Kinder – Erklärung der russischen Antikriegsbewegung

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2014/09/10 • Deutsch, Russland

In den letzten Wochen verbreiteten sich Nachrichten in russischen und internationalen Medien, dass russische Armeeangehörige, sowohl Rekruten als auch Zeitsoldaten, während der Kampfhandlungen in der Ukraine getötet wurden. Die russische Antikriegsbewegung, die sich Ende August als Antwort auf die direkte Invasion der Ukraine durch russische Truppen bildete, gab eine Erklärung heraus, in der sie die Mütter ermutigte, am 6. September 2014 initiativ zu werden.
Die Bewegung nennt Putins Aggression gegen die Ukraine eine eklatante Verletzung der russischen Verfassung und des internationalen Rechts. Sie behauptet, dass die russischen Streitkräfte in der Ukraine „enorme Verluste erlitten haben, die die Regierung zu verschweigen versucht.“ Die Bewegung warnt die russischen Frauen, dass „sich ihre Männer und Söhne womöglich in großer Gefahr“ befinden, einen Kampf führend, der die Menschen in der Ukraine für ihre Revolte gegen den Dieb Janukovitsch bestrafen soll.“ Der Krieg, so die Erklärung, werde nicht für die „russische Welt“ geführt, sondern für das Recht Wladimir Putins und seiner Oligarchie an der Macht zu bleiben.

Dieser blutige Krieg wird nicht für die „russische Welt“ geführt, wie die Propagandisten des Kreml uns zu suggerieren versuchen, er wird geführt um die Menschen der Ukraine zu bestrafen, die sich gegen den Dieb Janukowytsch aufgelehnt haben und ihn seines Palastes in Meschyhirja und der berühmt-berüchtigten goldenen Toilette berauben wollen. Dieser Krieg wird geführt für das Recht Wladimir Putins und auch der 200 reichsten Familien von Offiziellen und Oligarchen, die 90 % von Russlands Volksbesitz beschlagnahmt haben, um dauerhaft Milliarden, Paläste und Jachten an der Cote d’Azur und in der Nähe von Gelendschik zu besitzen, auf Kosten des Ruins und der Verarmung der Menschen und der Demütigung des Landes.

Um ihre geliebten Menschen davor zu bewahren, in einem Massengrab beerdigt zu werden, in ein Kohlebergwerk geworfen oder in einem mobilen Feldkrematorium verbrannt zu werden, sollten die Mütter und Frauen, so die Bewegung, die Angelegenheit selbst in die Hand nehmen.
Laut der Erklärung ist, da der Ukraine kein Krieg erklärt wurde, jeder Befehl, auf ukrainischem Boden zu kämpfen, rechtswidrig und seine Nichtbefolgung kein kriminelles Vergehen. Vielmehr verletzt schon das Kämpfen in einem fremden Land ohne nationale Abzeichen mehrere Artikel des russischen Strafgesetzbuchs, was Soldaten de facto zu Kriminellen macht.

Nach russischem und internationalen Recht werden Menschen, die Teil von Militäreinheiten sind, welche ohne offizielle Kriegserklärung auf dem Territorium eines fremden Landes agieren, als Söldner betrachtet und sind nicht von der Genfer Konvention zum Schutz von Kriegsgefangenen erfasst. Nach internationalem Recht sind sie Terroristen, und aus rechtlichen Gründen können eure geliebten Menschen getötet oder interniert werden, und zwar von Vetretern legitimer Behörden.

Die Bewegung ruft die Mütter der Soldaten auf, sich an das Heldentum der Mütter zu erinnern, die kamen, um ihre Söhne während des Krieges in Tschetschenien in den neunziger Jahren aus der Kriegszone zu holen. Die Erklärung führt eine Kontaktliste von Menschenrechtsorganisationen an, an die man sich wenden kann, wenn man verhindern will, dass ein Soldat in einen illegalen Krieg in der Ukraine zieht. Unter ihnen ist das Komitee der Mütter von Soldaten, das über Büros in ganz Russland verfügt:

Menschenrechtszentrum “Memorial”
Webseite: http://www.memo.ru Telefon: (+7 495) 225-31-18 (+7 495) 699-11-80
Fax: (+7 495) 699-11-65

Rechtsanwalt Alexander Osowtsow
Facebook: https://www.facebook.com/osovtsovaa
Email: [email protected]

RAD info (Russische Antikriegsbewegung)
Telefon: (+7 499) 136-00-47, (+7 903) 136-00-47

Forum “Mütter eines Soldaten”
Webseite: http://prizyvnikmoy.ru/forum/18-41-19

Union der Soldatenmütterkomitees
Webseite: http://www.ucsmr.ru
Telefon: (+7 495) 628-25-06, (+7 925) 502-45-69 Fax: (+7 495) 621-09-97
VKontakte: http://vk.com/ucsmr
Email: [email protected]

Komitee der Soldatenmütter Russlands
Webseite: www.soldiers-mothers-rus.ru
Tel. / Fax: (+7 499) 369-52-18
Skype: ksmrus ICQ: 322904377

Ein Warnhinweis eines Soldaten, dass er voraussichtlich mehr als einen Monat lang nicht anrufen wird, kann bedeuten, dass er ins Kriegsgebiet geschickt wird, warnt die Erklärung. In diesem Fall sollten die Mütter zu den Kasernen ihrer Söhne gehen und verhindern, dass sie in den Krieg gehen werden, indem sie an den Toren eine Mahnwache aufstellen und außerdem an alle Strafverfolgungsbehörden und andere Behörden, bis hin zum russischen Präsidenten, Appelle schicken.
Das Komitee rät den Müttern, die bereits die Verbindung mit ihren Lieben verloren haben, sich an das Soldatenmütterkomitee der Region Rostow und anderer Grenzregionen zu wenden, denn dort sind ihre Söhne vermutlich stationiert; möglicherweise kennen sie ja auch den Standort der Einheit aus früheren Fragen. Den Müttern wird auch geraten, auf den zahlreichen Webseiten mit Listen der in der Ukraine getöteten oder gefangen genommenen russischen Soldaten nach ihren Söhnen zu suchen.

RAD-Info (russische Antikriegsbewegung)

Fracht-200

Organisation “Mutter des Soldaten”

Fernsehkanal “Doschd”

LostIvan

Eine weitere Option ist ein Anruf bei der Hotline für russischen Soldatenmütter, die das Verteidigungsministerium der Ukraine eingerichtet hat: +7 0800501482 und +7 0968878094.

Die Erklärung stellt fest, dass die meisten Soldaten wegen fehlender Papiere nicht identifiziert werden können, die zuvor von den Kommandanten weggenommen wurden. Wenn der Name des Sohnes bei der Suche nicht auf einer der einschlägigen Listen auftaucht, gibt das Hoffnung, dass er vielleicht noch am Leben und bei den Kämpfen ist oder verwundet in einem Krankenhaus in Russland liegt. In diesem Fall, sagt das Komitee, sollte eine Mutter alle Krankenhäuser anrufen, in denen in der Ukraine kämpfende russische Soldaten behandelt werden. Auch die zivilen medizinischen Einrichtungen in den jeweiligen Städten sollten kontaktiert werden, da die Krankenhäuser überfüllt sind, so die Erklärung.
Schließlich verlinkt die Erklärung auf eine Liste von angeblich an den Kämpfen in der Ukraine beteiligten Einheiten. Sollte die Einheit des Sohnes auf der Liste stehen, wird der Mutter geraten, in die Region Rostow zu reisen, wo die russischen bewaffneten Gruppen stationiert sind, und sich den Menschenrechtsaktivisten und anderen Müttern anzuschließen, um das Leben ihrer Söhne zu retten. Mit anderen Müttern bis zur Einheit vorzudringen und diese Erklärung dem Sohn und seinen Vorgesetzten zur Kenntnis zu bringen wird als das Beste angeraten, was eine Mutter tun kann.
Zum Schluss ruft die Bewegung zur Teilnahme an den friedlichen Protesten auf, die überall in Russland stattfinden, und lokale Gruppen der Antikriegsbewegung zu gründen, um den Krieg zu beenden und die Soldaten zurück nach Hause zu holen.
Angesichts des großen Aufwands der russischen Regierung zur Vertuschung der Invasion scheint die Wirkung all dieser vorgeschlagenen Maßnahmen zweifelhaft. Allerdings scheint es aber auch, dass nur noch das Wunder der Mutterliebe den Krieg an dieser Stelle beenden kann.

Quelle: Russische Antikriegsbewegung

Übersetzt von Euromaidan Press auf Deutsch